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Historie
Abschied von der Sportkegelhalle am Anhalter
Betrachtung eines Ossis über die Schließung einer traditionsreichen Sportstätte
Verfasser Horst Kupper


Was waren wir jungen Dachse in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ganz Ohr,
wenn die alten Hasen von dem Mekka des Kegelsports der Berliner Hasenheide schwärmten.
Bevor wir uns diese große Kegelsportstätte selbst ansehen und vielleicht dort einmal kegeln
konnten, war 1961 die Grenze dicht. Wir dagegen hatten nur Zweibahnanlagen in Gaststätten
und bemühten uns, größere Anlagen zu bekommen. Die Tendenz damals, Sechsbahnanlagen
neben Sportplätzen zu errichten, empfanden wir als großen Fortschritt. Durch die Nähe der
Sportplätze konnte auch bei der Jugend der Mehrkampf (Kegeln und leichtathletische
Disziplinen) durchgeführt werden. Leider gelang es nicht, diese Wettkampfart im DKB weiter
zu führen.
Wie waren wir froh, dass uns ab 1990 Westberlin offen stand. Als dann die Brandenburger
Landesmeisterschaften in der Hasenheide stattfanden, konnten wir endlich dort unseren Sport
ausüben. Die großen Kegelbahnen in Westberlin gaben uns Märker die Möglichkeit, an
zentraler Stelle und mit relativ geringem Zeitaufwand unsere Titelkämpfe durchzuführen. So
wurden die Meisterschaften auch zu einem Treffen der Aktiven und Funktionäre.
Als die Hasenheide geschlossen wurde, endete zwar eine kegelsportliche Ära, aber in
Westberlin standen uns ja noch andere Sportstätten zur Verfügung. Die Kegelbrücke im
Märkischen Viertel und die Spandauer Bahn gingen zwar wenig später den gleichen Weg,
aber die Sportkegelhalle am Anhalter erfüllte ja unsere Wünsche. Außerdem gab es ja auch
noch die Bahnen in der Beusselstraße in Wedding, die wir nutzen konnten.
Bei uns im Kreis Oberhavel tat sich auch einiges. Einige Kegelbahnen mussten ebenfalls
schließen. Nach der Wende wurde städtebaulich ganz anders geplant und der Zuspruch zum
Kegelsport ging wesentlich zurück, da das sportliche Angebot viel größer wurde. Außerdem
gab es durch die wirtschaftlichen Veränderungen nicht mehr die Großbetriebe, in denen die
Werksangehörigen zum Teil in Betriebsligen und -klassen kegelten. Viele Kegler fanden in
dieser Zeit durch den Betriebssport zur aktiven Sportausübung. Als das Gelände der
Kegelbahn von Motor Hennigsdorf anderweitig gebraucht wurde, konnten die Motor-Kegler
unter Herbert Neumann erreichen, dass eine neue moderne 8-Bahnanlage errichtet wurde. In
Oranienburg entstand die TURM-Erlebniscity. Hier gelang es dem KSV Kegeln Oberhavel
Einfluss zu nehmen, dass neben dem Bad und dem Bowlingcenter auch eine Bohlebahn mit 8
Läufen gebaut wurde. Da allerdings die Oranienburger Sportstätte kommerziell betrieben
wird, haben die Kegler des Oranienburger KC ihre alte Kegelbahn wieder übernommen und
mit eigenen Mitteln und Kräften ausgebaut. Zwar wurden die 6 Bahnen auf 4 reduziert, weil
Platz für die sanitären Anlagen geschaffen werden musste, aber es entstand eine recht
ansehnliche Anlage.
Nun überraschte uns die Nachricht von der Schließung der Sportkegelhalle am Anhalter mit
ihren 32 Bahnen zum 21. Mai. Zum Glück konnte das Land Brandenburg noch das letzte
Wochenende für Aufstiegsspiele und Landesvereinsmeisterschaft nutzen. Mit Wehmut gingen
die Aktiven auf die Bahnen und verabschiedeten sich von dieser Anlage mit ausgezeichneten
Ergebnissen. Solche großen Veranstaltungen kann es nun nicht mehr geben. Die
Brandenburger Landesmeisterschaften werden künftig dezentral auf kleineren Bahnanlagen
im Lande oder in Berlin ausgetragen, sodass solch große Treffen der Kegelelite des Landes
Vergangenheit sind. Da im Osten Deutschlands keine Anlagen bestehen, in denen
Dreibahnen-Meisterschaften durchgeführt werden können, müssen diese künftig wenn
überhaupt in Wolfsburg stattfinden. Dass das Interesse wegen der Entfernung und der Kosten
nicht allzu groß sein wird, kann man sich an den Fingern abzählen. So wird diese
Wettkampfart, die wir erst nach der Wende kennen gelernt haben, ihrem Ende entgegen
gehen. Schade, da Brandenburg trotz fehlender Bahnen besonders in der Jugend bei den DM
durchaus auf Erfolge verweisen kann.
Leid können einem die Klubs des VBS tun, die nun sich nach neuen Kegelanlagen umsehen
müssen, was sicher nicht ohne Mitgliederverluste abgehen wird. Diesen Weg sind schon vor
Jahren die Kegler vom VKC/Germania/FE Spandau gegangen, als ihre Bahnen in Spandau
nicht mehr zur Verfügung standen. Sie fanden eine neue Heimstatt im Hennigsdorfer Fair
Play und sind dort ganz zufrieden. Andere Berliner Klubs müssen jetzt einen ähnlichen Weg
beschreiten und sich Bahnen in Ost- oder Westberlin bzw. im Umland suchen. Ich bin
gespannt, wie sich alles strukturell lösen wird. In der Zeit nach der Wende haben uns unsere
Sportkameraden aus Westberlin sehr geholfen, den Weg in den DKB zu machen.
Jetzt sind wir in Ostberlin und in Brandenburg in der Lage, uns ein wenig zu revanchieren.
Regeln und Historie
Eine der beliebtesten und ältesten Freizeitsportarten ist das Kegeln. Es hat seinen Ursprung in Ägypten. In einem ägyptischen Kindergrab fand man 3500 v. Chr. Teile eines Kegelspiels, das dem heutigen ähnelt (Nahada-Kultur Luxor). Zielwurfspiele, wie das Steinzielwerfen sind verwandt und können als indirekte Vorläufer des Kegelns angesehen werden.
In Westeuropa läßt sich die Entwicklung des Kegelns bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Es war als Glücksspiel bekannt, wo hohe Summen verwettet und sogar Hab und Gut verloren wurden. Begleitet wurde das Kegeln mit schlimmen Raufereien und Streitigkeiten, so daß man eingreifen mußte und Verbote aussprach.
In Deutschland wird in der Chronik der Stadt Rothenburg im Jahre 1157 das Kegelspiel erstmals erwähnt. 1265 wurde erstmals von einer Kegelgilde berichtet. Die Bürger der Stadt Xanten und die Kanoniker des Stiftes St. Victor schlossen sich zusammen "fratres Kegelforum"). Heute würde man ihn als Kegelklub bezeichnen. Als nach und nach das Kegelspiel seinen schlechten Ruf als Glücks- und Wettspiel verlor, wurde es Ende des 16. Jahrhunderts als harmloses Unterhaltungsspiel teilweise wieder zugelassen. Nicht nur bei Handwerkern und Bauern, auch beim Hochadel und bei der Geistlichkeit war das Kegelspiel beliebt.
1768 wurden die ersten Regeln für das Kegelspiel bekannt. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Spielgemeinschaften (Kegelklubs) registriert. Das durch Württembergische Einwanderer nach Amerika importierte Kegelspiel (Neunkegelspiel) wurde auch dort 1840 wegen der Begleiterscheinungen (Wetten, Trinken, Streiterei) vom Gouverneur von New York verboten. Daraufhin wurde das Kegelspiel geändert und so war 1886 die amerikanische Variante "Bowling" erfunden
(Zehnkegelspiel).
Am 12.12.1889 wurde der "Zentralverband Deutscher Kegler" in den "Deutschen Keglerbund" umbenannt (DKB). 1891 fanden die ersten Deutschen Meisterschaften und der erste "Drei- bahnen"-Vergleichskampf mit den USA auf Bohle, Asphalt und Bowlingbahnen statt.Die Scherenbahn wurde 1921 vom "Deutschen Keglerbund" zugelassen.Zum ersten Mal nach dem Krieg erscheint wieder die "Deutsche Keglerzeitung".
1922 fand die Deutsche Meisterschaft (Zehnermannschaft) auf Asphalt, Bohle und Schere in Frankfurt/Main statt.Das erste Bowling-Weltmeisterschaftsturnier fand 1925 in Schweden statt. In Deutschland wurden die ersten Bowlingbahnen installiert.1926 wurde der Bowlingweltverband "International Bowling Association" (IBA) gegründet.1929 wurde die Bowlingbahn als weitere Bahnart vom DKB zugelassen. 1930 wurde der Deutsche Kegler-Bund in die Organisation der Internationalen Sportverbände aufgenommen
1931 wurden in Frankfurt die ersten Deutschen Bowling-Einzel-Meisterschaften ausgetragen.Bei den 3. Bowling-Weltmeisterschaften 1936 in Berlin sichert sich erstmals ein Deutscher den Titel: Karl Goldhammer aus Frankfurt/Main.
Die Neugründung des Deutschen Keglerbundes erfolgte am 14.10.1950 in Bielefeld. Als Nachfolgeorganisation des internationalen Dachverbandes (durch den Krieg aufgelöst) wurde die "Fédération Internationale des Quilleurs" (FIQ) 1952 gegründet. Im FIQ sind zur Zeit 93 Nationen mit mehr als 12 Millionen Sportkeglern und Bowlern organisiert.1955 fanden die ersten Weltmeisterschaften auf Scherenbahnen in Essen statt. Zur Weltmeisterschaft 1974 wurden die ersten Asphalt-Euro-Bahnen vorgestellt (ohne Bande, mit Fehlwurfrinne).
Der Computer (Microprozessor-gesteuerte Kegelstellmaschine) hält 1980 auf der Kegelbahn Einzug. Die Aktivitäten hinsichtlich des Freizeit- und Breitensports werden vom DKB verstärkt, in dem alljährlich Freizeit-Championate veranstaltet werden. Auf privater Initiative fand zum ersten Mal im November 1982 in Münster "Europas größte Kegelparty" statt. Es wurden nur Freizeit- und
Hobbykegler zum Start zugelassen. Diese Veranstaltung wird zur Zeit alljährlich durchgeführt.
Der DKB feierte 1985 sein 100-jähriges Bestehen. In diesem Verband sind 200.000 Sportkegler und Bowler organisiert. Doch in Deutschland kegeln etwa 14 Millionen Menschen zu ihrem Vergnügen. Durch die große Beliebtheit kann man heute das Kegeln als Volkssport ansehen. Am 08.12.1990 wurden die Kegler aus den neuen Bundesländern in den DKB aufgenommen.
Die 20. Weltmeisterschaften im Sportkegeln auf Asphaltbahnen fanden in Ludwigshafen vom 14. - 22.05.1994 mit aufsehenerregenden Erfolgen der deutschen Teilnehmer statt.
Die 6.Weltmeisterschaften im Sportkegeln auf Scherenbahnen in Iserlohn vom 03. - 11. 06.1995 endeten gleichfalls mit hervorragenden deutschen Erfolgen.
Beim Kegeln/Bowling wird grundsätzlich zunächst auf die vollständige Anzahl der Kegel (in die Vollen) gespielt. Teilweise müssen dann mit einem oder mehreren Würfen die stehengeblieben Kegel/Pins zu Fall gebracht (abgeräumt) werden. Das stellt sich bei den einzelnen Bahnarten folgendermaßen dar:
Asphaltbahn: Im Meisterschaftsspielbereich sind in der Herren- und Juniorenklasse von jedemTeilnehmer 200 Kugeln auf 4 Bahnen, in allen anderen Klassen 100 Kugeln auf zwei Bahnen zu spielen. Auf der ersten Bahn werden 25 Wurf in die Vollen gespielt, d.h. nach jedem Wurf wird unabhängig von den gefallenen Kegeln das volle Kegelbild wieder aufgestellt und erneut bespielt. Mit dem zweiten Wurf auf derselben Bahn wird das Kegelbild jeweils abgeräumt, d.h. nach jedem Wurf in das volle Kegelbild muß mit dem nächsten Wurf bzw. den folgenden Würfen der oder die stehengebliebenen Kegel zu Fall gebracht werden, bis alle Kegel des gesamten Kegelbildes abgeräumt sind. Dann erst wird das volle Kegelbild wieder aufgestellt und wieder bis zum restlosen Abräumen der Kegel bespielt. Die Würfe 51 bis 100 werden auf Bahn 2, 101 - 150 auf Bahn 3 und 151 - 200 auf Bahn 4 auf gleiche Weise im 25er Rhythmus (25 Kugeln auf die Vollen/25 Kugeln
Abräumen) absolviert.
Bohlebahn: Auch hier werden im Meisterschaftsspielbereich in der Herren- und Juniorenklasse von jedem Teilnehmer 200 Kugeln auf 4 oder mehr Bahnen, in allen anderen Klassen 100 Kugeln auf 2 oder mehr Bahnen gespielt. Allerdings wird auf Bohlebahnen nur in die Vollen gespielt, d.h. die gesamte Anzahl der Würfe gehen auf das volle Kegelbild. Als Besonderheit beim Kegeln auf dieser Bahnart ist jedoch ein Gassenwechsel nach jeweils 25 Wurf vorgeschrieben. Die Kugel muß hierbei jeweils in die linke Gasse zwischen die Kegel 1 und 2 oder in die rechte Gasse, Kegel 1 und 3, gespielt werden. Wird der falsche Gassenkegel durch unmittelbare Kugeleinwirkung zu Fall gebracht, wird die Kugel als Nullwurf gewertet.
Scherenbahn: Die Kugelzahl im Meisterschaftsspielbereich ist 120. Es kann jedoch auf 2 oder 4 Bahnen gespielt werden. Das Kegeln auf Scherenbahnen vereint das Spiel in die Vollen und das Abräumen mit der Gassenzwangvorschrift. Auf der ersten Bahn werden beispielsweise die ersten 15 Wurf in die linke Gasse in die Vollen gespielt. Die nächsten 15 Wurf werden nach Gassenwechsel abgeräumt, wobei die jeweilige 1.Kugel (auf das volle Kegelbild) in die rechte Gasse gespielt werden muß. Auf einer Zwei-Bahnenanlage werden dann die nächsten 30 Wurf mit 15 in die Vollen und 15 Abräumen auf die jeweils anderen Gassen gespielt.Der oder die nachfolgenden Würfe müssen die verbleibenden Kegel abräumen. Als Besonderheit ist zu bemerken, daß bereits ein neues volles Kegelbild aufgestellt wird, wenn allein der Kegel Nr. 5 (sog. König) stehengeblieben ist. Die Kugeln 61 - 120 werden dann auf der zweiten Bahn im umgekehrten Rhythmus, d.h. 15 Wurf in die Vollen in die rechte Gasse und 15 Wurf Abräumen in die linke Gasse, 15 Wurf linke Gasse in die Vollen und 15 rechte Gasse Abräumen gespielt. Beim Spiel über 4 Bahnen werden pro Bahn 15 Wurf in die Vollen und 15 Wurf Abräumen mit dem jeweiligen Gassenwechsel gespielt.
Bowlingbahn: Ein Bowlingspiel besteht aus 10 Versuchen, die 10 Pins des Kegelstandes mit einem Wurf zu Fall zu bringen. Bleiben ein Pin oder mehrere Pins stehen, hat der Spieler jeweils einen zweiten Wurf, mit dem er die stehengebliebenen Pins abräumen kann. Je nach Art des Wettkampfes beträgt die Anzahl der Spiele zwischen 3 und 8. Im Gegensatz zu den Bahnarten Asphalt, Bohle und Schere, in denen das Spielergebnis durch Addition der gefallenen Kegel errechnet wird, wird beim Bowling nach einem Prämiensystem gewertet. Werden alle 10 Pins im ersten Wurf zu Fall gebracht, d.h. ein sogenannter Strike erzielt, werden dem Spieler diese 10 Punkte sowie die Anzahl der in den nächsten beiden Würfen getroffenen Pins als Prämie gutgeschrieben. Werden die 10 Pins mit zwei Würfen zu Fall gebracht, d.h. ein sogenannter Spare erzielt, wird dem Spieler neben den 10 Punkten die Anzahl der im nächsten Wurf erzielten Pins als Prämie gutgeschrieben. Sollten auch mit zwei Würfen die 10 Pins nicht zu Fall gebracht werden, wird dem Spieler allein die erzielte Pinzahl gutgeschrieben.
Spielarten: Das Kegeln/Bowling wird in Einzel-, Paar-, Trio- (nurBowling) und Mannschaftswettbewerben durchgeführt. DieMannschaftsstärke der aktiven Klassen auf Asphalt-, Bohle- und Scherenbahnen beträgt bei den Damen und Herren 6. Senioren- und Jugendklassen haben zum Teil geringere Mannschaftsstärken. Auf Bowlingbahnen wird der Mannschaftswettbewerb bei den Herren mit 5 Spielern, bei den Damen mit 4 Spielerinnen durchgeführt. Für alle Mannschaften ist ein/e Auswechselspieler/in gestattet.
Spielkleidung: Die Teilnahme an DKB-Veranstaltungen ist nur in Sportbekleidung erlaubt (Kegler- bzw. Bowlingschuhwerk). Mannschaften müssen grundsätzlich einheitlich gekleidet sein, wobei die farbliche Gestaltung keinen Vorschriften unterliegt. Einheitliche Sportbekleidung wird auch dann angenommen, wenn bei gleicher Farbe kurze oder lange Hosen bzw. kurze Hosen oder Röcke getragen werden.
Quellen: Deutscher Keglerbund (DKB) und G. Goldhammer